Zittern beim Hund
Zittern beim Hund ist ein unwillkürlicher Muskelreflex, der in unterschiedlichen Situationen auftreten kann. Meistens steckt etwas Harmloses dahinter: Kälte, Aufregung, Anspannung nach dem Spaziergang. Entscheidend ist nicht das Zittern selbst, sondern die Frage, ob es zur Situation passt. Zittern ohne erkennbaren Anlass, im warmen Wohnzimmer und in Ruhe, ist das Signal, genauer hinzuschauen.
In diesem Artikel bekommst du zuerst die Einordnung, wann Zittern normal ist und wann nicht. Danach gehen wir die Ursachen einzeln durch, von Kälte über Schmerzen bis zur Vergiftung, und du erfährst, was die Zahlen aus der Tiermedizin über starkes Zittern am ganzen Körper sagen.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Der wichtigste Test: Passt das Zittern zur Situation? Kälte, Aufregung und Angst erklären die meisten Fälle.
- Warnzeichen sind Zittern in Ruhe und Wärme, plötzlicher Beginn, Begleitsymptome wie Erbrechen, Apathie oder Koordinationsstörungen.
- Schmerz zittert mit: Rückenschmerzen, Bauchschmerzen und Gelenkschmerzen äußern sich bei Hunden häufig als Zittern, oft zusammen mit einer Schonhaltung.
- Kleine Hunde zittern öfter, und das ist meist kein Krankheitszeichen, sondern eine Frage von Körperoberfläche, Wärmeverlust und Erregung.
- Bei starkem Zittern am ganzen Körper war in einer Auswertung von 198 Hunden in einer Klinik eine Vergiftung die häufigste Einzelursache mit 46 %.
- Zittern ist kein Krampfanfall. Beim Zittern bleibt dein Hund ansprechbar, beim Anfall ist das Bewusstsein gestört.
- Sofort in die Praxis bei plötzlichem starkem Zittern, Verdacht auf Vergiftung, Koordinationsstörungen, Fieber oder Zittern bei einem Welpen.
Harmlos oder ernst? Die erste Einordnung
Die entscheidende Frage lautet nicht „zittert mein Hund", sondern „passt das Zittern zur Situation". Ein nasser Hund im November zittert aus dem gleichen Grund wie du. Ein trockener Hund, der bei 22 Grad in seinem Körbchen liegt und trotzdem zittert, hat dagegen einen Grund, den du nicht siehst.
Wichtig ist, dass du den Kontext beobachtest, in dem das Zittern auftritt, und auf zusätzliche Symptome achtest, die auf ein gesundheitliches Problem hindeuten könnten. Genau dafür ist die folgende Übersicht gedacht.
Zittern beim Hund: einordnen statt raten
Zeitnah abklären lassen
- ❌ Zittern in Ruhe, in einem warmen Raum
- ❌ Plötzlicher Beginn ohne erkennbaren Anlass
- ❌ Erbrechen, Durchfall oder Apathie dazu
- ❌ Unsicherer Gang, Schwanken, Koordinationsstörungen
- ❌ Schonhaltung, aufgekrümmter Rücken, Berührungsempfindlichkeit
- ❌ Ein Welpe oder sehr kleiner Hund zittert und wirkt schwach
Meist unbedenklich
- ✅ Nach dem Baden, im Regen oder bei Kälte
- ✅ Vor dem Spaziergang, beim Ballspiel, bei Vorfreude
- ✅ Beim Tierarztbesuch oder in fremder Umgebung
- ✅ Kurz nach dem Aufwachen, dann vorbei
- ✅ Kleiner Hund mit dünnem Fell, sonst munter
- ✅ Zittern hört auf, sobald der Auslöser wegfällt
Ein zweiter, sehr praktischer Test: Lässt sich dein Hund ablenken? Ein Hund, der aus Aufregung oder Kälte zittert, hört damit auf, wenn du die Leine holst oder er sich unter eine Decke legt. Ein Zittern, das durch Ablenkung nicht verschwindet, hat einen körperlichen Grund.
Warum zittert mein Hund? Die häufigsten Ursachen
Es gibt viele Gründe, warum dein Hund zittern könnte. Am häufigsten sind Kälte, Aufregung und Angst, gefolgt von Schmerzen und Fieber. Seltener, dafür ernster, sind Unterzucker, Vergiftungen und neurologische Ursachen. Hier sind die häufigsten im Einzelnen.
Kälte und Unterkühlung
Besonders Hunde mit dünnem Fell oder kleine Rassen können schon bei leicht sinkenden Temperaturen zittern. Zittern ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Wärmeprogramm: Die Muskulatur arbeitet, um Wärme zu erzeugen. Bei extremer Kälte kann es zu einer gefährlichen Abkühlung kommen, die mit Schüttelfrost einhergeht. Achte darauf, dass dein Hund immer ausreichend geschützt ist, besonders nasser Hund plus Wind ist die kritische Kombination.
Angst, Stress und Aufregung
Laute Geräusche, ungewohnte Umgebungen oder fremde Menschen können bei Hunden zu Angst führen, ein häufiger Auslöser für das Zittern. Auch positive Erregung zählt dazu: Viele Hunde zittern vor dem Spaziergang oder beim Anblick des Balls, und das ist kein Problem, sondern Vorfreude.
Wenn dein Hund sich allein gelassen fühlt, reagiert er möglicherweise mit Zittern, da ihm die Sicherheit und Nähe fehlt. Wie du daran arbeiten kannst, steht in unserem Ratgeber Hund alleine lassen.
Schmerzen und Verletzungen
Schmerzen durch Verletzungen, Zahnprobleme oder innere Beschwerden können zu unwillkürlichem Zittern führen. Lokale oder systemische Entzündungen, wie zum Beispiel Gelenkentzündungen, lösen oft unkontrollierte Muskelreaktionen aus. Dieser Punkt ist so wichtig, dass er weiter unten einen eigenen Abschnitt bekommt.
Fieber und Infektionen
Eine erhöhte Körpertemperatur, verursacht durch Infektionen oder andere Erkrankungen, kann bei deinem Hund Zittern begünstigen. Der Mechanismus ist derselbe wie beim Menschen: Der Körper hebt seinen Sollwert an, und bis er ihn erreicht hat, fühlt sich der Hund kalt und zittert.
Unterzucker
Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, häufig bei jungen oder sehr kleinen Hunden, kann zu Zittern führen. Bei Welpen von Zwergrassen kann das innerhalb von Stunden kritisch werden, weil ihre Reserven winzig sind. Auch Hunde mit Diabetes, die Insulin bekommen, können unterzuckern. Beides ist ein Fall für sofortiges Handeln.
Vergiftungen und Medikamente
Der Verzehr von giftigen Substanzen oder Pflanzen kann ebenfalls zu neurologischen Auffälligkeiten wie Zittern führen, und bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung das Zittern auslösen. Diese Gruppe ist deutlich häufiger, als die meisten Halterinnen und Halter vermuten, deshalb steht sie gleich im nächsten Abschnitt mit Zahlen.
Neurologische Ursachen
Probleme im Nervensystem, wie zum Beispiel Epilepsie oder andere neurologische Erkrankungen, äußern sich oft auch durch Zittern. Dazu gehört auch das idiopathische generalisierte Tremorsyndrom, eine entzündliche Erkrankung, die vor allem junge, kleine Hunde trifft und gut behandelbar ist. Zur Abgrenzung zum Krampfanfall findest du weiter unten einen eigenen Abschnitt und in unserem Ratgeber zur Epilepsie beim Hund die Details.
Alter, Muskelschwäche und Organerkrankungen
Bei älteren Hunden kommen Muskelabbau, Arthrose und Organerkrankungen als Ursachen dazu. Eine fortgeschrittene Nierenerkrankung kann ebenfalls Zittern auslösen, weil sich Stoffwechselprodukte anreichern. Auch dazu unten mehr.
Was steckt hinter starkem Zittern am ganzen Körper?
Wenn ein Hund am ganzen Körper zittert und weder Kälte noch Aufregung dahinterstecken, ist eine Vergiftung die häufigste Einzelursache. In einer Auswertung von 198 Hunden mit generalisiertem Zittern an einer Universitätsklinik waren toxische Ursachen für 48 % der Fälle verantwortlich, davon 46 % Vergiftungen und 2 % Tetanus.
Ursachen von generalisiertem Zittern bei 198 Hunden einer Universitätsklinik. Andere umfasst degenerative, idiopathische und neoplastische Ursachen
Diese Zahlen brauchen eine ehrliche Einordnung, sonst führen sie in die Irre. Es handelt sich um Hunde, die mit starkem, generalisiertem Zittern in einer Spezialklinik vorgestellt wurden. Der Hund, der beim Gassigehen im Regen zittert, kommt in dieser Statistik gar nicht vor. Für dich heißt das nicht „mein Hund ist vergiftet", sondern: Wenn das Zittern stark ist, den ganzen Körper betrifft und nicht zur Situation passt, gehört die Frage nach einem Gift ganz nach oben auf die Liste.
Womit sich Hunde am häufigsten vergiften
In derselben Auswertung waren unter den 91 Vergiftungsfällen Schimmelpilzgifte mit 32 % die häufigste identifizierte Ursache, gefolgt von Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd mit 12 %. Bei einem guten Drittel der Fälle blieb der Auslöser unbekannt.
Schimmelpilzgifte klingen exotisch, sind aber ein Alltagsproblem: Sie entstehen auf verschimmelten Lebensmitteln, auf Nüssen wie Walnüssen und Erdnüssen, auf Milchprodukten und vor allem im Komposthaufen. Die Symptome können schon wenige Stunden nach der Aufnahme beginnen und reichen von Erbrechen und Zittern über Bewegungsstörungen bis zu Krampfanfällen. Ein zugänglicher Kompost im Garten ist damit eine der unterschätztesten Gefahrenquellen überhaupt.
Die gute Nachricht aus derselben Untersuchung: Hunde mit einer Vergiftung erholten sich in 98 % der Fälle, und alle, bei denen sich der Zustand ohne Kortisonbehandlung innerhalb von 48 Stunden besserte, hatten eine Vergiftung als Ursache. Schnelles Handeln lohnt sich also besonders.
Gesundheit fängt bei der Basis an
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Jetzt Quiz startenWarum zittert mein Hund im Liegen und in Ruhe?
Zittern im Liegen ist das Muster, das am ehesten abgeklärt gehört. In Ruhe fällt Aufregung als Erklärung weg, und wenn der Raum warm ist, auch die Kälte. Übrig bleiben vor allem Schmerzen, Fieber, Stoffwechselprobleme und neurologische Ursachen.
Es gibt allerdings zwei harmlose Ausnahmen, die du kennen solltest. Erstens: Im Traumschlaf zucken und zittern viele Hunde, oft mit Laufbewegungen und leisen Lauten. Das ist normal und hört auf, sobald der Hund aufwacht. Zweitens: Nach einem sehr anstrengenden Tag zittert manch ein Hund vor Erschöpfung in der Muskulatur, ähnlich wie ein Mensch nach einer ungewohnten Belastung.
Alles andere gehört genauer angesehen. Frag dich dabei drei Dinge: Ist der Raum wirklich warm genug? Zittert er nur, wenn er in einer bestimmten Position liegt? Und lässt er sich anfassen, ohne zu reagieren? Besonders die letzte Frage bringt oft die Antwort, denn Zittern im Liegen ist ein klassisches Schmerzzeichen.
Zittern als Schmerzzeichen: Rücken, Bauch, Gelenke
Ja, Hunde zittern bei Schmerzen, und zwar häufig. Das Zittern ist dabei kein Ausdruck von Angst, sondern eine Reaktion der Muskulatur auf Anspannung und Stress. Typisch ist die Kombination aus Zittern, einer veränderten Haltung und einem Hund, der sich anders verhält als sonst.
Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Zittern, das viele Halterinnen und Halter zunächst falsch deuten. Typische Zeichen sind ein aufgekrümmter Rücken, ein steifer, kleinschrittiger Gang, Zögern beim Springen und Treppensteigen, angespannte Bauchmuskeln und eine Berührungsempfindlichkeit entlang der Wirbelsäule. Betroffene Hunde wollen oft nicht mehr in ihr Körbchen springen und stehen stattdessen zitternd davor.
Bei Rassen mit langem Rücken, allen voran dem Dackel, steckt dahinter häufig ein Bandscheibenproblem. Das ist ein Fall für die Praxis, und zwar zeitnah, weil frühe Behandlung den Verlauf deutlich beeinflusst. Alles dazu findest du in unserem Ratgeber zu Dackellähme und Bandscheibenvorfall.
Bauchschmerzen
Bauchschmerzen zeigen sich oft als sogenannte Gebetsstellung: Vorderkörper tief, Hinterteil hoch, dazu Zittern, Hecheln und Unruhe. Das ist ein ernstes Zeichen und kann von einer Magen-Darm-Entzündung über eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bis zu einer Magendrehung reichen. Bei einem aufgeblähten Bauch mit erfolglosen Würgeversuchen fährst du sofort in die Klinik.
Gelenkschmerzen
Bei Arthrose zittern die betroffenen Gliedmaßen manchmal nach Belastung oder beim Aufstehen. Typisch ist, dass es morgens und nach längerem Liegen am schlimmsten ist und sich nach ein paar Schritten bessert. Auch nach einem sehr langen Spaziergang kann das Zittern deutlicher werden.
Warum zittern kleine Hunde und Chihuahuas?
Kleine Hunde zittern häufiger, und in den allermeisten Fällen ist das kein Krankheitszeichen. Sie verlieren im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen viel mehr Wärme über die Körperoberfläche, sie haben oft wenig Unterwolle und wenig Körperfett, und viele kleine Rassen sind schlicht schnell erregbar.
Beim Chihuahua kommen alle drei Faktoren zusammen: sehr kleine Körpermasse, häufig kurzes Fell und ein temperamentvolles Wesen. Ein Chihuahua, der bei Aufregung oder in einem kühlen Raum zittert, verhält sich völlig normal. Wenn er das aber warm eingepackt und in völliger Ruhe tut, gilt für ihn dasselbe wie für jeden anderen Hund.
Ein Punkt, den du bei Zwergrassen kennen solltest
Sehr kleine und sehr junge Hunde haben winzige Energiereserven. Ein Welpe einer Zwergrasse, der eine Mahlzeit auslässt und viel getobt hat, kann unterzuckern, und Zittern gehört zu den ersten Zeichen. Kommen Schwäche, Wackeligkeit oder Teilnahmslosigkeit dazu, ist das ein Notfall und kein Fall für Abwarten.
Für kleine Rassen gibt es bei uns eigene Rezepturen, weil ihr Energiebedarf pro Kilogramm deutlich höher liegt als bei großen Hunden. Wenn du wissen willst, was das für den Napf bedeutet, hilft dir unser Futterrechner weiter, und die Hintergründe stehen unter rassenspezifisches Hundefutter.
Wenn der alte Hund zittert
Beim alten Hund hat Zittern meist eine von drei Ursachen: Schmerzen durch Arthrose, altersbedingter Muskelabbau oder eine Organerkrankung. Reines Altern lässt einen Hund nicht zittern, deshalb ist „das ist eben das Alter" bei einem zitternden Senior keine ausreichende Erklärung.
Am häufigsten steckt Arthrose dahinter, oft in Kombination mit einem Muskelabbau an der Hinterhand. Typisch ist ein Zittern der Hinterbeine nach dem Aufstehen, das sich nach ein paar Minuten Bewegung bessert. Das ist behandelbar, und zwar deutlich besser, als viele annehmen.
Die zweite Gruppe sind Organerkrankungen. Eine fortgeschrittene Nierenerkrankung, Lebererkrankungen und hormonelle Störungen können Zittern auslösen. Deshalb gehört bei einem älteren Hund, der neu anfängt zu zittern, ein Blutbild dazu und nicht nur ein Blick auf die Gelenke.
Und eine dritte Möglichkeit, die oft übersehen wird: kognitive Veränderungen im Alter. Hunde, die nachts unruhig werden, hin und her laufen und dabei zittern, sind manchmal desorientiert und nicht schmerzhaft. Auch das lässt sich behandeln, aber nur, wenn man es erkennt.
Muskelzittern, Tremor oder Krampfanfall?
Der wichtigste Unterschied liegt im Bewusstsein. Bei einem Zittern oder Tremor bleibt dein Hund ansprechbar, er schaut dich an und reagiert auf seinen Namen. Bei einem Krampfanfall ist das Bewusstsein gestört oder ganz weg, der Hund reagiert nicht und erinnert sich hinterher nicht.
Der Hund bleibt ansprechbar und reagiert auf dich. Die Bewegung ist fein und rhythmisch, er kann meist stehen und laufen. Kein Speicheln, kein Urinabsatz, kein Bewusstseinsverlust. Oft lässt es sich durch Ablenkung kurz unterbrechen.
Das Bewusstsein ist gestört, der Hund reagiert nicht auf seinen Namen. Häufig liegt er auf der Seite, rudert mit den Beinen, speichelt stark, setzt Urin oder Kot ab. Danach ist er oft für Minuten bis Stunden verwirrt. Ablenkung wirkt nicht.
Die Begriffe Muskelzittern, Gliederzittern, Zitteranfall und Tremor meinen dabei alle dasselbe Phänomen, nur in unterschiedlicher Alltagssprache. Fachlich ist Tremor der Oberbegriff für eine unwillkürliche, rhythmische Bewegung. Wenn du unsicher bist, welche der beiden Kategorien du siehst, ist das Video aus dem Expertentipp der schnellste Weg zur Antwort.
Eine besondere Form ist das idiopathische generalisierte Tremorsyndrom. Es trifft überwiegend junge, kleine Hunde, äußert sich als Zittern am ganzen Körper und beruht auf einer Entzündung im Nervensystem. In der oben genannten Auswertung machte es rund ein Viertel aller Fälle aus. Wichtig zu wissen: Es ist gut behandelbar, aber es bessert sich anders als eine Vergiftung nicht innerhalb von 48 Stunden von allein.
Schüttelfrost und Fieber beim Hund
Schüttelfrost beim Hund sieht aus wie starkes, grobes Zittern am ganzen Körper und tritt auf, wenn die Körpertemperatur unter oder über den Sollwert gerät. Die normale rektale Körpertemperatur eines Hundes liegt zwischen 37,5 und 39,2 Grad Celsius. Alles darüber ist Fieber, alles deutlich darunter ist Unterkühlung.
Beides fühlt sich für den Hund kalt an, und in beiden Fällen versucht der Körper über Muskelarbeit Wärme zu erzeugen. Deshalb sieht Schüttelfrost bei Fieber und bei Unterkühlung sehr ähnlich aus, obwohl es entgegengesetzte Zustände sind. Ein Fieberthermometer schafft in zwei Minuten Klarheit, und genau das ist der Grund, warum eines in jede Hundehausapotheke gehört.
Bei Fieber kommen typischerweise weitere Zeichen dazu: warme Ohren, trockene Nase, Teilnahmslosigkeit, Appetitverlust und schnellere Atmung. Wie du richtig misst und ab wann du handeln solltest, steht in unserem Ratgeber zu Fieber beim Hund. Frisst dein Hund dazu nicht mehr, hilft dir zusätzlich unser Artikel Hund frisst nicht weiter.
Wann du sofort in die Tierarztpraxis musst
Es ist nicht immer einfach, allein zu beurteilen, ob das Zittern deines Hundes harmlos oder besorgniserregend ist. Diese Situationen sind aber eindeutig und gehören ohne Abwarten in die Praxis oder Klinik.
- Verdacht auf Vergiftung: Zugang zu Kompost, Schneckenkorn, Schimmeligem, Medikamenten, Frostschutzmittel oder unbekannten Pflanzen
- Plötzliches und intensives Zittern: wenn das Zittern ohne erkennbaren Grund einsetzt oder sich dramatisch verstärkt
- Koordinationsstörungen: Schwanken, Umkippen, unkoordinierte Bewegungen oder Gleichgewichtsstörungen
- Begleitende Symptome: Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Apathie zusätzlich zum Zittern
- Gebetsstellung oder aufgekrümmter Rücken mit Berührungsempfindlichkeit
- Welpe oder Zwergrasse zittert und wirkt schwach oder teilnahmslos
- Fieber über 39,2 Grad Celsius oder deutlich zu niedrige Temperatur
- Bewusstsein gestört: Der Hund reagiert nicht auf seinen Namen
- Langanhaltende Beschwerden: wenn das Zittern über Stunden anhält oder sich verschlechtert
- Vorerkrankungen: bei Hunden mit bekannten Problemen wie Diabetes oder Herzerkrankungen kann Zittern auf eine Verschlechterung hindeuten
Für die akuten Fälle lohnt sich vorher ein Blick in unseren Erste-Hilfe-Ratgeber. Er hilft dir, ruhig und richtig zu reagieren, statt zu improvisieren.
Was du zu Hause tun kannst
Solange die Warnzeichen von oben fehlen, kannst du erst einmal selbst etwas tun. Es geht dabei um zwei Dinge: die naheliegenden Ursachen ausschließen und gut beobachten, damit die Praxis im Zweifel etwas Verwertbares bekommt.
- Wärme: Sorge dafür, dass dein Hund vor Kälte geschützt ist. Eine warme Umgebung und eine extra Hundedecke oder ein Hundepullover können helfen, besonders nach dem Baden und bei nasskaltem Wetter
- Ruhiger Rückzugsort: Ein sicherer und stressfreier Platz unterstützt die Beruhigung deines Hundes, vor allem wenn Angst oder Stress die Ursache sind
- Notizen machen: Notiere dir, wann das Zittern auftritt, wie lange es anhält und ob es von anderen Symptomen begleitet wird
- Verhalten beobachten: Achte darauf, ob sich das Verhalten deines Hundes ändert, da diese Informationen für die tierärztliche Diagnose hilfreich sind
- Filmen: Ein kurzes Handyvideo ist die wertvollste Information, die du mitbringen kannst
- Temperatur messen: zwei Minuten Aufwand, die Fieber und Unterkühlung sofort ausschließen oder bestätigen
- Schonen: Bei Verdacht auf Schmerzen reduzierst du körperliche Aktivität und bietest deinem Hund ausreichend Ruhe
- Keine Selbstmedikation: Schmerzmittel für Menschen sind für Hunde gefährlich. Bei Verdacht auf schmerzbedingtes Zittern rufst du die Praxis an, bevor du selbst Maßnahmen ergreifst
Und ein Punkt, der oft schwerfällt: Zittert dein Hund aus Angst, hilft ruhiges Dabeibleiben mehr als aufgeregtes Trösten. Du darfst ihn beruhigen, das verstärkt keine Angst. Was ihm dagegen nicht hilft, ist ein Mensch, der selbst nervös wird.
FAQ
Wann ist Zittern beim Hund normal?
Zittern kann bei Hunden eine normale Reaktion sein, etwa wenn sie frieren oder aufgeregt sind. Entscheidend ist, den gesamten Kontext zu betrachten und weitere Symptome zu beobachten. Passt das Zittern zur Situation und hört es auf, sobald der Auslöser wegfällt, ist es in aller Regel unbedenklich.
Warum zittert mein Hund ohne Grund?
Einen Grund gibt es immer, er ist nur nicht sichtbar. Wenn Kälte und Aufregung ausscheiden, kommen vor allem Schmerzen, Fieber, Unterzucker, Vergiftungen und neurologische Ursachen infrage. Zittern in Ruhe und in einem warmen Raum gehört deshalb abgeklärt, besonders wenn es plötzlich begonnen hat.
Zittern Hunde, wenn sie Schmerzen haben?
Ja, und zwar häufig. Typisch ist die Kombination aus Zittern und einer veränderten Haltung: aufgekrümmter Rücken bei Rückenschmerzen, Gebetsstellung bei Bauchschmerzen, steifer Gang bei Gelenkschmerzen. Auch Berührungsempfindlichkeit und Zögern beim Springen oder Treppensteigen sind Hinweise.
Warum zittert mein Hund im Liegen?
Zittern in Ruhe ist das Muster, das am ehesten abgeklärt gehört, weil Aufregung als Erklärung wegfällt. Harmlose Ausnahmen sind Zuckungen im Traumschlaf und Muskelzittern nach großer Anstrengung. Alles andere spricht für Schmerzen, Fieber oder eine Stoffwechselursache.
Warum zittern kleine Hunde und Chihuahuas so oft?
Weil sie im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen viel Wärme über die Körperoberfläche verlieren, oft wenig Unterwolle und Körperfett haben und viele kleine Rassen schnell erregbar sind. Ein Chihuahua, der bei Aufregung oder in einem kühlen Raum zittert, verhält sich normal. Warm und in völliger Ruhe gilt für ihn dieselbe Regel wie für jeden anderen Hund.
Was ist der Unterschied zwischen Zittern und einem Krampfanfall?
Das Bewusstsein. Beim Zittern bleibt dein Hund ansprechbar und reagiert auf dich, die Bewegung ist fein und rhythmisch. Beim Krampfanfall ist das Bewusstsein gestört, der Hund reagiert nicht, liegt oft auf der Seite, rudert, speichelt und ist danach für einige Zeit verwirrt.
Was bedeutet Schüttelfrost beim Hund?
Schüttelfrost ist starkes, grobes Zittern, mit dem der Körper Wärme erzeugt. Er tritt sowohl bei Fieber als auch bei Unterkühlung auf und sieht in beiden Fällen ähnlich aus. Die normale rektale Körpertemperatur liegt beim Hund zwischen 37,5 und 39,2 Grad Celsius. Ein Fieberthermometer klärt in zwei Minuten, welcher der beiden Fälle vorliegt.
Welche Begleitsymptome deuten auf ein ernsthaftes Problem hin?
Wenn das Zittern mit Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Apathie oder Koordinationsstörungen einhergeht, solltest du umgehend einen Tierarzt kontaktieren. Dasselbe gilt bei Verdacht auf eine Vergiftung, bei gestörtem Bewusstsein, bei einem zitternden Welpen und bei Fieber.
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Unser Fazit
- Der entscheidende Test lautet nicht „zittert er", sondern „passt das Zittern zur Situation".
- Kälte, Aufregung und Angst erklären die allermeisten Fälle und brauchen keine Behandlung.
- Zittern in Ruhe und in einem warmen Raum gehört dagegen abgeklärt.
- Schmerz zittert mit: Rücken, Bauch und Gelenke sind die häufigsten Quellen, meist zusammen mit einer Schonhaltung.
- Bei starkem Zittern am ganzen Körper ohne erkennbaren Anlass gehört der Gedanke an ein Gift ganz nach oben. Kompost und Schneckenkorn sind die unterschätzten Klassiker.
- Zittern ist kein Krampfanfall: Beim Zittern bleibt dein Hund ansprechbar.
- Kleine Hunde zittern öfter, und das ist meist Physik und Temperament, nicht Krankheit.
- Beim alten Hund ist „das ist eben das Alter" keine ausreichende Erklärung. Schmerz und Organerkrankungen gehören ausgeschlossen.
- Und der praktischste Tipp überhaupt: einmal filmen. Zwanzig Sekunden Video sagen in der Praxis mehr als zehn Minuten Beschreibung. 🐾
Quellen
- Theofanis Liatis, Sofie F. M. Bhatti, Steven De Decker: Generalized Tremors in Dogs: 198 Cases (2003–2023), Journal of Veterinary Internal Medicine (2025). Belegt: 198 eingeschlossene Hunde, toxische Ursachen 95 Fälle (48 %), davon Intoxikation 91 Fälle (46 %) und Tetanus 4 Fälle (2 %), entzündliche Ursachen 59 Fälle (29,8 %), davon idiopathisches generalisiertes Tremorsyndrom 49 Fälle (24,7 %), metabolische Ursachen 33 Fälle (16,7 %), degenerative 5 (2,5 %), idiopathische 4 (2 %), neoplastische 2 (1 %). Unter den 91 Intoxikationen: unbekannter Auslöser 33 Fälle (36,3 %), Mykotoxine 29 Fälle (31,9 %), Metaldehyd 11 Fälle (12,1 %), Avermectine 6 Fälle (6,6 %), Cannabinoide 4 Fälle (4,4 %). Medianes Alter bei Beginn 3,2 Jahre, medianes Körpergewicht 10,9 kg. Besserung bei Intoxikation in 97,8 % der Fälle, alle Hunde mit Besserung innerhalb von 48 Stunden ohne Kortikosteroide hatten eine Intoxikation.
- Michelle S. Mostrom, DVM, MS, PhD, DABVT, DABT: Tremorgenic Neuromycotoxicosis in Dogs, MSD und Merck Veterinary Manual. Belegt: Vorkommen der Tremorgene auf Lebensmitteln (Walnüsse, Erdnüsse, Milchprodukte), in Futtermitteln (Silage) und in Lebensmittelabfällen (Kompost), die beteiligten Toxine Penitrem A und E sowie Roquefortin C, Beginn der Symptome innerhalb weniger Stunden nach Aufnahme, sowie das Symptombild aus Erbrechen, Tremor, Übererregbarkeit, Ataxie und Krampfanfällen.
- MSD und Merck Veterinary Manual: Normal Rectal Temperature Ranges. Belegt: normale rektale Körpertemperatur beim Hund 37,5 bis 39,2 Grad Celsius.
Über die Autorin
Helena Bröring-Veith - Med. Vet. ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und mehrere Jahre in einer Kleintierklinik praktiziert. Bei HEY HOLY verantwortet sie als fachliche Reviewerin die Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Mehr über das Team und unsere wissenschaftliche Arbeit findest du auf der Seite Über uns.
