Ernährung Informativ

Warum frisches Fleisch im Futter? Der HEY HOLY Ansatz

Autorin: Helena, Veterinärmedizinerin August 2026

„Frisches Fleisch" im Hundefutter bedeutet, dass unverarbeitetes Muskelfleisch mit seinem natürlichen Wassergehalt in die Rezeptur geht, statt bereits getrocknetes Tiermehl. Der Unterschied ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Proteinqualität: Je weniger Hitzestufen ein Eiweiß durchläuft, desto mehr seiner Aminosäuren bleiben für den Hund verwertbar. Dieser Artikel erklärt dir 2026 die Hintergründe, zeigt die Studienlage dazu und wo auch dieser Ansatz seine Grenzen hat.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Der Unterschied: Frisches Fleisch geht mit natürlichem Wassergehalt in die Rezeptur, Tiermehl ist bereits einmal erhitzt und getrocknet. Beide durchlaufen die Extrusion, das Mehl aber zweimal Hitze.
  • Lysin ist der Knackpunkt: Van Rooijen et al. (Nutrition Research Reviews, 2013) beschreiben Lysin als erste oder zweite limitierende Aminosäure in Heimtierfutter und als besonders anfällig für Hitzeschäden.
  • Messbare Verluste: In derselben Übersicht kann die Differenz zwischen Gesamt-Lysin und reaktivem, also verfügbarem Lysin bis zu 61,8 % betragen.
  • Im Handel: Van Rooijen et al. (Journal of Nutritional Science, 2014) untersuchten 67 kommerzielle Futtermittel. Bei extrudiertem Hundefutter lag das Verhältnis von reaktivem zu Gesamt-Lysin im Mittel bei 0,87, mit einer Spanne von 0,77 bis 0,99.
  • Zutaten schlagen Verfahren: Die Autor:innen kamen zu dem Schluss, dass die Zutaten und nicht die Verarbeitung der Schlüsselfaktor für die Lysinverluste waren.
  • Deklaration prüfen: Nur eine Prozentangabe zur benannten Fleischquelle macht den Anteil überprüfbar.
  • HEY HOLY Standard: Beautiful Bulldogs enthält 40 % frischen Lachs als einzige tierische Proteinquelle, Precious Poodles 40 % frische Ente, Sensitive 40 % frisches Pferdefleisch.

Was „frisches Fleisch" im Futter bedeutet

Frisches Fleisch in einer Trockenfutter-Rezeptur bezeichnet unverarbeitetes Muskelfleisch, das mit seinem natürlichen Wassergehalt von rund 70 % in den Herstellungsprozess geht. Es wird also nicht vorher getrocknet, sondern direkt zusammen mit den übrigen Zutaten verarbeitet.

Der Gegenpol dazu ist Tiermehl, in der Deklaration meist als „Geflügelmehl", „Lammmehl" oder „getrocknetes Geflügelprotein" ausgewiesen. Dieses Mehl wurde bereits einmal erhitzt, entfettet und getrocknet, bevor es überhaupt in die Rezeptur kommt. Danach durchläuft es die Extrusion ein zweites Mal.

Wichtig für das Verständnis: Kein Trockenfutter besteht ausschließlich aus frischem Fleisch. Der hohe Wassergehalt macht das technisch unmöglich, weil am Ende ein trockener, lagerfähiger Brocken entstehen muss. Fast jede Rezeptur kombiniert deshalb beides oder ergänzt frisches Fleisch um andere Proteinquellen.

Deshalb ist die spannende Frage nicht „frisch oder Mehl", sondern wie viel frisches Fleisch tatsächlich enthalten ist und ob es eindeutig benannt wird. Und genau da wird es auf vielen Verpackungen unübersichtlich.

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Frischfleisch und Tiermehl auf dem Etikett

Auf dem Etikett lassen sich beide Formen gut unterscheiden, sobald man weiß, worauf man achtet. Frisches Fleisch wird als „frischer Lachs", „frisches Rind" oder ähnlich benannt, Tiermehl als „Lammmehl", „Geflügelprotein getrocknet" oder „Tiermehl".

Frisches Fleisch

Geht mit rund 70 % natürlichem Wassergehalt in die Rezeptur und durchläuft nur eine Hitzestufe. Der ausgewiesene Prozentwert bezieht sich auf das Frischgewicht vor der Trocknung.

Tiermehl

Bereits erhitzt, entfettet und getrocknet, bevor es in die Rezeptur kommt, danach ein zweites Mal extrudiert. Dafür sehr proteindicht und lange lagerfähig.

Ein Punkt gehört dabei zur Ehrlichkeit: Der Prozentwert bei frischem Fleisch bezieht sich auf das Gewicht vor der Trocknung. Aus 40 % frischem Lachs wird im fertigen Trockenfutter deutlich weniger Trockensubstanz. Wer Prozentwerte zwischen einem Frischfleisch- und einem Mehl-Produkt direkt vergleicht, vergleicht deshalb Äpfel mit Birnen.

Was aber in jedem Fall gilt: Eine Prozentangabe ist besser als keine. „Mit Lachs" kann rechtlich schon bei einem kleinen Anteil stehen. Und der Sammelbegriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" macht jede Bewertung unmöglich, weil weder Tierart noch Anteil erkennbar sind.

Was beim Erhitzen mit dem Eiweiß passiert

Bei jeder Erhitzung von Futter läuft die Maillard-Reaktion ab, bei der Zucker und Aminosäuren miteinander reagieren. Sie sorgt für Farbe und Geröstaroma, hat aber einen ernährungsphysiologischen Preis: Ein Teil der Aminosäure Lysin wird dabei chemisch gebunden und ist für den Hund nicht mehr verwertbar.

Charlotte van Rooijen und Kolleg:innen von der Universität Wageningen haben das Thema 2013 in Nutrition Research Reviews aufgearbeitet. Sie beschreiben Lysin als erste oder zweite limitierende essenzielle Aminosäure in Heimtierfutter, also als den Nährstoff, der die Verwertung des gesamten Proteins begrenzt. Die Differenz zwischen Gesamt-Lysin und reaktivem, verfügbarem Lysin kann laut dieser Übersicht bis zu 61,8 % betragen.

Ein Jahr später untersuchte dieselbe Arbeitsgruppe im Journal of Nutritional Science 67 kommerzielle Futtermittel aus dem Handel. Bei extrudierten Hundefuttern lag das Verhältnis von reaktivem zu Gesamt-Lysin im Mittel bei 0,87, die Spanne reichte von 0,77 bis 0,99.

0,77 bis 0,99
Verhältnis von reaktivem zu Gesamt-Lysin in 67 untersuchten Futtermitteln. Bei 0,77 ist knapp ein Viertel des Lysins nicht mehr verfügbar (van Rooijen et al. 2014)

Die Spannweite ist der eigentlich interessante Teil. Zwischen einem Produkt mit 0,99 und einem mit 0,77 liegen Welten, obwohl auf beiden Verpackungen derselbe Rohprotein-Gehalt stehen kann. Die Analysewerte auf der Packung sagen also nichts darüber aus, wie viel davon beim Hund tatsächlich ankommt.

Und noch ein Befund derselben Untersuchung verdient Beachtung, weil er der einfachen Erzählung widerspricht: Die Autor:innen kamen zu dem Schluss, dass die Zutaten und nicht die Verarbeitung der Schlüsselfaktor für die Lysinverluste waren. Anders gesagt: Womit man startet, zählt mehr als wie man es verarbeitet. Genau das ist das Argument für hochwertige Ausgangsstoffe.

Warum Monoprotein dazugehört

Frisches Fleisch entfaltet seinen Vorteil erst richtig, wenn es aus einer einzigen, klar benannten Quelle stammt. Der Grund hat weniger mit Nährstoffen zu tun als mit Nachvollziehbarkeit: Nur bei einer Proteinquelle weißt du im Problemfall, worauf dein Hund reagiert hat.

Eine Rezeptur mit vier Fleischsorten kann ernährungsphysiologisch völlig in Ordnung sein. Wenn dein Hund aber Juckreiz oder weichen Stuhl entwickelt, stehst du vor vier Verdächtigen und musst von vorn anfangen. Bei einer einzigen Quelle wechselst du gezielt und weißt nach acht Wochen mehr.

Dazu kommt ein statistisches Argument. Die am häufigsten verfütterten Proteine sind auch die häufigsten Auslöser von Futtermittelreaktionen, schlicht weil mehr Hunde ihnen begegnen. Wer auf eine seltener eingesetzte Quelle wie Lachs, Ente, Forelle oder Pferd setzt, senkt die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion allein durch die Auswahl. Was genau hinter dem Begriff steckt, erklärt unser Ratgeber zu Monoprotein-Futter.

Der dritte Baustein ist der Verzicht auf Getreide. Nicht, weil Getreide grundsätzlich schädlich wäre, sondern weil Weizen zu den häufiger dokumentierten Auslösern zählt und weil getreidefreie Kohlenhydratquellen wie Süßkartoffel gut verdaulich sind. Die Argumente dazu findest du im Ratgeber zur getreidefreien Ernährung beim Hund.

Der HEY HOLY Ansatz

Bei HEY HOLY beruht jede Trockenfutter-Rezeptur auf drei Festlegungen: eine einzige tierische Proteinquelle, ein hoher Anteil frischen Fleisches mit ausgewiesenem Prozentwert und 100 % Getreidefreiheit. Diese drei Punkte sind kein Sondersegment, sondern der Ausgangspunkt jeder Linie.

Konkret heißt das zum Beispiel: Beautiful Bulldogs, das Trockenfutter für Bulldoggen, enthält 40 % frischen Lachs. Precious Poodles, die Linie für Pudel, arbeitet mit 40 % frischer Ente. Und Sensitive, die rassenübergreifende Linie für empfindliche Hunde, setzt auf 40 % frisches Pferdefleisch. In allen Fällen ist es genau eine tierische Eiweißquelle, mit Prozentangabe und offener Deklaration.

Der zweite Teil des Ansatzes ist die rassenspezifische Zuschneidung. Ein Schäferhund ist kein Chihuahua, und die Bedürfnisse unterscheiden sich in Krokettengröße, Energiedichte und Nährstoffschwerpunkten deutlich. Deshalb gibt es nicht eine Rezeptur für alle, sondern eine je Rassefamilie. Einheitsbrei kommt uns nicht in den Napf.

Entwickelt werden die Rezepturen mit dem Tierärztinnen-Team, wissenschaftlich beraten von Prof. Dr. Zentek vom Lehrstuhl für Tierernährung der FU Berlin. Wie das methodisch aussieht, kannst du auf unserer Wissenschafts-Seite nachlesen.

HEY HOLY Beautiful Bulldogs Trockenfutter

HEY HOLY Beautiful Bulldogs

  • 40 % frischer Lachs als einzige tierische Proteinquelle, mit Prozentangabe statt Sammelbegriff
  • 94 % der Kunden bewerten die Akzeptanz als sehr gut, laut HEY HOLY Kundenumfrage mit über 800 Teilnehmer:innen
  • 100 % getreidefrei, ohne Zucker und Aromen, entwickelt mit dem Tierärztinnen-Team
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Was frisches Fleisch nicht leistet

Frisches Fleisch ist ein Qualitätsmerkmal, aber kein Gütesiegel für sich. Ein Futter mit 40 % frischem Fleisch kann trotzdem schlecht sein, wenn der Rest der Rezeptur nicht stimmt, und ein Futter mit hochwertigem Tiermehl kann sehr gut sein. Ehrlich bleiben gehört dazu.

Frisches Fleisch: Missverständnis ↔ Realität

Häufige Missverständnisse

  • ❌ „Frisch heißt automatisch besser"
  • ❌ „40 % frisch bleiben 40 % im Endprodukt"
  • ❌ „Tiermehl ist immer minderwertig"
  • ❌ „Hoher Rohproteinwert heißt viel Eiweiß"
  • ❌ „Frisches Fleisch macht Ergänzungen überflüssig"
  • ❌ „Mehr Fleisch ist immer besser"

Was tatsächlich zählt

  • ✅ Die gesamte Rezeptur, nicht eine Zutat
  • ✅ Der Wassergehalt vor der Trocknung
  • ✅ Die Qualität der jeweiligen Quelle
  • ✅ Wie viel des Eiweißes verwertbar ist
  • ✅ Ein vollständiges Nährstoffprofil
  • ✅ Ein zum Hund passender Proteingehalt

Ein Punkt verdient besondere Betonung: Der Rohprotein-Gehalt auf der Verpackung sagt nichts über die Verwertbarkeit aus. Genau das zeigt die Lysin-Forschung. Zwei Futtermittel mit identischem Rohproteinwert können sich in der tatsächlich verfügbaren Aminosäurenmenge deutlich unterscheiden.

Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit: Ein Alleinfuttermittel braucht mehr als Fleisch. Calcium, Spurenelemente, Vitamine und Fettsäuren müssen in definierten Mengen enthalten sein, und die kommen nicht allein aus dem Muskelfleisch. Frisches Fleisch ist die Basis, nicht die ganze Rezeptur.

Alle Rezepturen mit frischem Fleisch, einer Proteinquelle und ohne Getreide.

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FAQ

Was bedeutet frisches Fleisch im Hundefutter?

Unverarbeitetes Muskelfleisch, das mit seinem natürlichen Wassergehalt von rund 70 % in die Rezeptur geht, statt vorher getrocknet zu werden. Es durchläuft dadurch eine Hitzestufe weniger als Tiermehl, das bereits vor der Extrusion erhitzt und getrocknet wurde.

Ist frisches Fleisch besser als Tiermehl?

Tendenziell ja, weil weniger Hitzestufen die Eiweißqualität schonen. Ein Gütesiegel ist es aber nicht. Van Rooijen et al. (2014) kamen zu dem Schluss, dass die Zutaten und nicht die Verarbeitung der Schlüsselfaktor für Lysinverluste waren. Hochwertiges Tiermehl kann besser sein als minderwertiges Frischfleisch.

Warum ist Lysin so wichtig?

Van Rooijen et al. (Nutrition Research Reviews, 2013) beschreiben Lysin als erste oder zweite limitierende essenzielle Aminosäure in Heimtierfutter. Es begrenzt also die Verwertung des gesamten Proteins. Gleichzeitig ist es besonders anfällig für Hitzeschäden durch die Maillard-Reaktion.

Bleiben 40 % frisches Fleisch im fertigen Futter erhalten?

Nein. Der Prozentwert bezieht sich auf das Gewicht vor der Trocknung, und frisches Fleisch besteht zu rund 70 % aus Wasser. Im fertigen Trockenfutter bleibt entsprechend weniger Trockensubstanz übrig. Deshalb lassen sich Prozentwerte von Frischfleisch- und Mehl-Produkten nicht direkt vergleichen.

Sagt der Rohprotein-Gehalt etwas über die Qualität aus?

Nur begrenzt. Er misst den Stickstoffgehalt, nicht die Verwertbarkeit. Zwei Futtermittel mit identischem Rohproteinwert können sich in der verfügbaren Aminosäurenmenge deutlich unterscheiden. In der Untersuchung von 2014 reichte das Verhältnis von reaktivem zu Gesamt-Lysin von 0,77 bis 0,99.

Warum setzt HEY HOLY auf nur eine Proteinquelle?

Weil Monoprotein die Fehlersuche vereinfacht. Reagiert ein Hund auf sein Futter, gibt es bei einer Quelle genau einen Verdächtigen statt vier. Zusätzlich senken seltener eingesetzte Quellen wie Lachs, Ente, Forelle oder Pferd die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion allein durch die Auswahl.

Reicht frisches Fleisch allein als Futter?

Nein. Ein Alleinfuttermittel muss Calcium, Spurenelemente, Vitamine und Fettsäuren in definierten Mengen enthalten, und die stammen nicht allein aus Muskelfleisch. Frisches Fleisch ist die Basis einer guten Rezeptur, aber nie die ganze Rezeptur.

Unser Fazit

  1. Frisches Fleisch geht mit natürlichem Wassergehalt in die Rezeptur und durchläuft eine Hitzestufe weniger als Tiermehl.
  2. Lysin ist die limitierende Aminosäure in Heimtierfutter und besonders hitzeempfindlich.
  3. In 67 untersuchten Futtermitteln reichte das Verhältnis von reaktivem zu Gesamt-Lysin von 0,77 bis 0,99.
  4. Der Rohprotein-Wert auf der Packung sagt nichts darüber aus, wie viel davon beim Hund ankommt.
  5. Die Zutaten waren laut Studienlage der Schlüsselfaktor für Lysinverluste, nicht das Verarbeitungsverfahren.
  6. Frisches Fleisch entfaltet seinen Vorteil am besten in Kombination mit Monoprotein und offener Deklaration.
  7. Ehrlich bleiben gehört dazu: Frisches Fleisch ist ein Qualitätsmerkmal, aber kein Gütesiegel für die ganze Rezeptur.
  8. Deine Hunderasse. Dein Futter. Bei HEY HOLY heißt das eine Proteinquelle, 40 % frisches Fleisch und kein Getreide. 🐾

Über die Autorin

Med. Vet. Helena Bröring Veith ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und vier Jahre in einer AniCura-Klinik praktiziert. Bei HEY HOLY begleitet sie als fachliche Reviewerin Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Wissenschaftlich beraten wird HEY HOLY zusätzlich von Prof. Dr. Zentek (Lehrstuhl Tierernährung, FU Berlin).

Quellen: van Rooijen C, Bosch G, van der Poel AFB, Wierenga PA, Alexander L, Hendriks WH: „The Maillard reaction and pet food processing: effects on nutritive value and pet health", Nutrition Research Reviews, 2013 · van Rooijen C, Bosch G, van der Poel AFB, Wierenga PA, Alexander L, Hendriks WH: „Reactive lysine content in commercially available pet foods", Journal of Nutritional Science, 2014 · FEDIAF Nutritional Guidelines, Publication July 2024.