Hund impfen: ja oder nein? Impfplan und was wirklich schützt
In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht für Hunde, die Entscheidung liegt also bei dir. Aus tiermedizinischer Sicht klar zu empfehlen sind die drei Core-Impfungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin: Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Staupe und Parvovirose werden nach der Grundimmunisierung alle drei Jahre aufgefrischt, Leptospirose jährlich. Alle weiteren Impfungen werden je nach Lebensumständen individuell entschieden.
Über Impfungen und die richtige Handhabe sowie die Notwendigkeit kursieren in den Köpfen vieler und auch im Internet leider immer wieder gefährliche Halbwahrheiten. In diesem Ratgeber findest du deshalb beides: die aktuellen Empfehlungen der StIKo Vet mit konkreten Intervallen und eine ehrliche Einordnung der Argumente, die gegen das Impfen vorgebracht werden.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Keine Impfpflicht: In Deutschland besteht keine allgemeine Verpflichtung, einen Hund impfen zu lassen.
- Core-Impfungen: Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Diesen Schutz sollte laut StIKo Vet jeder Hund zu jeder Zeit haben.
- Intervalle: Staupe und Parvovirose werden im Abstand von 3 Jahren wiederholt, Leptospirose jährlich.
- Welpenschema: in der 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie mit 15 Lebensmonaten.
- Tollwut und HCC gelten in Deutschland inzwischen als Non-Core, weil beide Erkrankungen hier praktisch getilgt sind. Für Auslandsreisen ist Tollwut trotzdem Pflicht.
- Impfreaktionen sind selten: In einer Auswertung von über 16 Millionen Impfterminen wurden innerhalb von drei Tagen 19,4 unerwünschte Ereignisse pro 10.000 Termine erfasst, also 0,19 %.
- Erhöhtes Risiko haben laut derselben Auswertung Französische Bulldoggen und Dackel, Hunde unter 5 kg und Hunde, die mehrere Impfungen an einem Termin bekommen.
Hund impfen: ja oder nein?
Die kurze Antwort: ja, zumindest bei den drei Core-Impfungen. Es existiert in Deutschland derzeit grundsätzlich keine Verpflichtung, einen Hund impfen zu lassen, es gilt also das Motto: Alles kann, nichts muss. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben allerdings gezeigt, dass Impfungen wesentlich zur Gesundheit einer Population beitragen können, und die Krankheiten, um die es geht, verlaufen beim jungen Hund oft tödlich.
Was diese Antwort nicht bedeutet: dass jeder Hund jedes Jahr alles bekommen muss. Genau dieses Missverständnis treibt viele Halterinnen und Halter in die Skepsis. Die moderne Empfehlung ist differenziert: wenige, gut begründete Impfungen in klaren Intervallen, und alles Weitere nach Lebensumständen. Nicht alle Impfungen schützen vor einer Infektion, teilweise wird auch nur eine Verbesserung der klinischen Symptomatik erreicht. Deshalb sollten Vor- und Nachteil einer Impfung immer individuell mit der Tierarztpraxis besprochen werden.
Welche Impfungen gibt es für Hunde?
In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten, einen Hund impfen zu lassen. Für diese elf Erkrankungen existiert derzeit ein Impfstoff:
- Tollwut
- Staupe
- Hepatitis contagiosa canis (HCC)
- Parvovirose
- Leptospirose
- Parainfluenza
- Bordetella bronchiseptica
- Leishmaniose
- Borreliose
- Dermatophytosen
- Canines Herpesvirus
Wie wirken Impfungen?
Grundsätzlich wird zwischen einer passiven Immunisierung (mit einem Serum) und einer aktiven Immunisierung (mit Impfstoffen) unterschieden. Bei ersterer muss das körpereigene Immunsystem im Grunde nicht aktiv werden, während es sich bei der aktiven Immunisierung mit den Impfstoffen auseinandersetzt und so eigene Antikörper bildet.
Bei der aktiven Immunisierung unterteilt man die Impfstoffe aufgrund der verwendeten Antigenkomponente in Lebend- und Totimpfstoffe. Totimpfstoffe, auch inaktivierte Impfstoffe genannt, enthalten abgetötete oder vermehrungsunfähig gemachte Krankheitserreger, mit denen das Immunsystem sich auseinandersetzen kann. Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige Erreger in abgeschwächter Form. Hier kann es nach der Impfung zu einer leichten Erkrankungsreaktion kommen, die nicht ansteckend ist.
Insgesamt wirkt jede Impfung so, dass Körper und Immunsystem an den Erreger gewöhnt werden, damit im Falle einer folgenden Erkrankung schon entsprechende Antikörper zur Verteidigung vorhanden sind.
Core und Non-Core: was die StIKo Vet empfiehlt
Um einen Leitfaden zur Orientierung zu entwickeln, gibt es auch für Tiere eine Ständige Impfkommission, die StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut. Diese Kommission aktualisiert stetig nach den aktuellen Erkenntnissen der veterinärmedizinischen Forschung ihre Impfempfehlungen. Die aktuelle Impfleitlinie für Kleintiere hat den Stand 6. Januar 2025.
Die Impfungen werden laut StIKo Vet in Kernimpfungen, sogenannte Core-Vakzine, deren Schutz jeder Hund zu jeder Zeit haben sollte, und in Non-Core-Vakzine eingeteilt. Letztere werden nur in speziellen Lebensumständen oder Situationen empfohlen.
Die drei Core-Impfungen
- Staupe: Virusinfektion mit Magen-Darm-, Atemwegs- und Nervensymptomen. Beim jungen Hund häufig tödlich.
- Parvovirose: hochansteckende Virusinfektion mit schwerem, blutigem Durchfall. Der Erreger ist in der Umwelt extrem widerstandsfähig.
- Leptospirose: bakterielle Infektion über Nagetierurin und stehende Gewässer, mit Nieren- und Leberschäden. Auch auf den Menschen übertragbar.
Warum Tollwut und HCC inzwischen Non-Core sind
Beide Impfungen galten früher als Standard und sind heute laut Leitlinie Non-Core-Vakzinierungen. Der Grund ist in beiden Fällen ein Erfolg: Bei der Tollwut heißt es in der Leitlinie ausdrücklich, dass sie nur noch als Non-Core gilt, weil die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist. Bei den caninen Adenoviren wird begründet, dass die konsequente Impfung gegen HCC dazu geführt hat, dass diese Erkrankung in der westeuropäischen Hundepopulation nur noch sehr selten beobachtet wird.
Non-Core heißt allerdings nicht überflüssig. Es heißt: nach Lebensumständen entscheiden. Bei der Tollwut kommt ein rechtlicher Aspekt dazu, dazu unten mehr.
Der Impfplan: wie oft muss aufgefrischt werden?
Nach abgeschlossener Grundimmunisierung gelten für die Core-Komponenten unterschiedliche Intervalle. Genau hier liegt das häufigste Missverständnis: Es ist eben nicht so, dass jeder Hund jedes Jahr alles bekommen muss.
- Staupe und Parvovirose: Wiederholungsimpfung im Abstand von drei Jahren.
- Leptospirose: jährliche Wiederholungsimpfung. Der Schutz hält bei dieser bakteriellen Komponente deutlich kürzer an.
- Tollwut: je nach Impfstoff und Zulassung, in der Regel alle drei Jahre. Der Eintrag im EU-Heimtierausweis ist maßgeblich.
- Zwingerhusten, Borreliose, Leishmaniose: nach individueller Empfehlung, meist jährlich.
In der Praxis führt das dazu, dass ein Hund jährlich einen Termin hat, bei dem aber nicht jedes Mal dasselbe gespritzt wird. Der jährliche Termin ist trotzdem sinnvoll, weil er die Gesundheitsvorsorge mitbringt: Gewicht, Zähne, Herz, Gelenke, Blutwerte im Alter. Frag in deiner Praxis ruhig konkret nach, welche Komponenten dieses Jahr fällig sind. Ein guter Impfplan steht im Impfpass und lässt sich nachvollziehen.
Vorsorge beginnt nicht erst beim Impftermin
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Jetzt Quiz startenWelpen impfen: das Schema Schritt für Schritt
Aus tierärztlicher Sicht ist die korrekte Grundimmunisierung von Welpen unbedingt zu empfehlen, weil gerade das unausgereifte Immunsystem von Welpen ein hohes Infektionsrisiko birgt. Die Erkrankungen, gegen die die Core-Vakzine schützen, verlaufen vor allem beim jungen Hund schnell tödlich. Dem kann man durch eine Impfung leicht vorbeugen.
Für einen Welpen wird zur korrekten Grundimmunisierung folgendes Schema empfohlen:
- 8 Lebenswochen: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
- 12 Lebenswochen: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
- 16 Lebenswochen: Parvovirose, Staupe
- 15 Lebensmonate: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
Warum so viele Termine? Weil Welpen über die Muttermilch Antikörper mitbekommen, die zwar schützen, aber gleichzeitig die Impfung blockieren können. Wann genau dieser Schutz abfällt, ist individuell verschieden und lässt sich nicht vorhersagen. Deshalb wird in Intervallen geimpft, bis sicher ist, dass mindestens eine Impfung angeschlagen hat. Der Termin mit 15 Monaten ist dabei kein Extra, sondern der Abschluss der Grundimmunisierung. Wer ihn auslässt, hat den Welpen faktisch nicht fertig geimpft.
Zusätzlich kann eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein, wenn der Hund später einmal mit in den Urlaub ins Ausland fahren soll. Und ja, auch die Niederlande sind Ausland. Alles Weitere zu den ersten Wochen findest du in unserem Ratgeber Dein Welpe zieht ein.
Gibt es eine Impfpflicht für Hunde?
Nein, es existiert in Deutschland derzeit grundsätzlich keine Verpflichtung, einen Hund impfen zu lassen. Für gewisse Aktivitäten mit dem vierbeinigen Freund gibt es allerdings individuelle Vorschriften zum Impfstatus, und die sind bindend.
- Auslandsreise: Will man mit seinem Hund ins Ausland reisen, ist es verpflichtend, neben einem Mikrochip und einem blauen EU-Heimtierausweis eine Tollwut-Impfung nachweisen zu können. Anderenfalls ist ein Grenzübertritt nicht erlaubt.
- Zucht- und Rasseausstellungen: Hier sind ebenfalls Impfungen vorgeschrieben. Diese können nach Bestimmung der Ausrichter festgelegt werden, orientieren sich aber in der Regel an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Deshalb sind dort oft Impfungen gegen Parvovirose, Staupe, Hepatitis und Leptospirose vorgeschrieben.
- Hundepensionen: Wo mehrere fremde Hunde auf engem Raum aufeinandertreffen, ist zusätzlich die Impfung gegen Zwingerhusten, also Parainfluenza und Bordetella bronchiseptica, gewünscht.
- Hundeschulen und Tagesbetreuung: verlangen zunehmend einen aktuellen Impfnachweis.
Sinnvoll ist es, sich rechtzeitig über Vorschriften zu Impfungen zu informieren, da einige Impfungen nicht immer in der Praxis vorrätig sind und auch oft einige Zeit brauchen, bis sie ihre volle Wirksamkeit entfalten.
Tollwut: Reise, Recht und Empfehlung
Die Tollwutimpfung ist der Sonderfall unter den Non-Core-Impfungen, weil hier nicht die medizinische, sondern die rechtliche Lage den Ausschlag gibt. Medizinisch ist das Risiko in Deutschland minimal, die terrestrische Tollwut gilt hier als getilgt. Rechtlich sieht die Sache anders aus.
Die Impfleitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass die nationale Tollwutverordnung zum Schutz von Menschen und Tieren bislang unverändert massive behördliche Maßnahmen für den theoretisch möglichen Fall vorsieht, dass ein nicht gegen Tollwut geimpfter Hund mit einem tollwütigen oder seuchenverdächtigen Tier in Kontakt kommt. Im Klartext: Ein ungeimpfter Hund, der etwa von einer Fledermaus gebissen wird oder Kontakt zu einem illegal importierten Tier hatte, kann behördlich unter Quarantäne gestellt werden. Geimpfte Hunde sind in dieser Situation deutlich besser gestellt.
Für Reisen gilt zusätzlich: Die Tollwutimpfung hat erst nach 21 Tagen ihre volle Wirksamkeit erreicht, und auch erst dann darf ein Grenzübertritt erfolgen. Das sollte vor einem Urlaub auf jeden Fall bedacht werden. Plane also mindestens vier Wochen Vorlauf ein, bei Welpen mehr, weil sie vor der zwölften Lebenswoche gar nicht gegen Tollwut geimpft werden dürfen.
Leptospirose-Impfung: ja oder nein?
Ja. Die Leptospirose gehört zu den drei Core-Impfungen, und laut StIKo Vet sollte jeder Hund zu jeder Zeit diesen Schutz haben. Sie ist gleichzeitig die Impfung, über die am meisten diskutiert wird, und dafür gibt es zwei nachvollziehbare Gründe.
Erstens ist sie die einzige Core-Komponente, die jährlich aufgefrischt werden muss. Zweitens ist es eine bakterielle Impfung mit mehreren Serovaren, und moderne Vierfach-Impfstoffe decken mehr davon ab als die älteren Zweifach-Präparate. Das führt bei Haltern zu der Wahrnehmung, hier werde besonders viel gespritzt.
Was für die Impfung spricht: Leptospiren werden über den Urin von Nagetieren ausgeschieden und überleben in feuchter Umgebung, in Pfützen, Teichen und stehenden Gewässern. Praktisch jeder Hund, der draußen unterwegs ist, hat Kontakt zu diesem Risiko. Die Erkrankung schädigt Nieren und Leber, verläuft schwer und ist zudem eine Zoonose, also auch für Menschen im Haushalt gefährlich. Bei einem Hund, der ausschließlich auf dem Balkon lebt, kann man anders entscheiden. Bei allen anderen ist die Rechnung eindeutig.
Impfreaktionen: wie häufig sind sie wirklich?
Impfreaktionen kommen vor, sie sind aber selten. In einer Auswertung von 16.087.455 Impfterminen bei Hunden wurden innerhalb von drei Tagen nach der Impfung 31.197 unerwünschte Ereignisse erfasst. Das entspricht 19,4 Ereignissen pro 10.000 Impftermine oder 0,19 %.
Interessanter als die Gesamtzahl sind die Risikofaktoren, denn die kannst du beeinflussen. Erhöhte Raten fanden sich bei bestimmten Rassen, allen voran Französische Bulldoggen und Dackel mit mehr als vierfach erhöhtem Risiko, bei Hunden mit einem Körpergewicht von 5 kg oder weniger, bei jungen Hunden zwischen 2 und 9 Monaten sowie mit steigender Anzahl der Impfstoffe, die an einem Termin verabreicht werden.
Daraus folgt eine praktische Empfehlung, gerade für kleine Rassen und für Bulldoggen: Verteile die Impfungen auf mehrere Termine, statt alles an einem Tag geben zu lassen. Sprich das aktiv an, die meisten Praxen machen das gern mit.
Was nach der Impfung normal ist
- Müdigkeit und weniger Appetit für einen Tag
- Eine kleine, druckempfindliche Schwellung an der Einstichstelle, die nach wenigen Tagen verschwindet
- Leicht erhöhte Temperatur am Impftag
Nicht normal und ein Fall für den sofortigen Rückruf in der Praxis sind dagegen Schwellungen im Gesicht, Quaddeln, Erbrechen kurz nach der Impfung, Atemnot oder ein Kreislaufzusammenbruch. Solche Sofortreaktionen sind sehr selten, treten aber typischerweise innerhalb der ersten Stunde auf. Fahr deshalb nach dem Impftermin nicht direkt weiter, sondern bleib die erste halbe Stunde in erreichbarer Nähe.
Impfskepsis: was an den Argumenten dran ist
Die Sorge, dem eigenen Hund mit einer Impfung zu schaden, ist nachvollziehbar, und sie verdient eine Antwort statt eines Vorwurfs. Hier die vier Argumente, die uns in der Praxis am häufigsten begegnen, jeweils mit dem, was daran stimmt und was nicht.
Impfargumente im Faktencheck
Das stimmt so nicht
- ❌ „Ungeimpfte Hunde sind gesünder"
- ❌ „Die Krankheiten gibt es doch gar nicht mehr"
- ❌ „Jedes Jahr alles impfen ist Standard"
- ❌ „Eine Impfung schützt lebenslang"
- ❌ „Impfen kann man auch selbst zu Hause"
- ❌ „Titer sind immer die bessere Alternative"
Das stimmt
- ✅ Nicht jeder Hund braucht jede Impfung
- ✅ Staupe und Parvo werden nur alle 3 Jahre aufgefrischt
- ✅ Impfreaktionen gibt es, in etwa 0,19 % der Termine
- ✅ Kleine Rassen und Bulldoggen haben ein höheres Risiko
- ✅ Mehrere Impfungen an einem Tag erhöhen das Risiko
- ✅ Bei Staupe und Parvo kann ein Titer sinnvoll sein
„Ungeimpfte Hunde sind gesünder"
Für diese Aussage gibt es keine belastbare Datengrundlage. Was es gibt, ist ein Wahrnehmungseffekt: Wer nicht impft und dessen Hund gesund bleibt, sieht darin eine Bestätigung. Wer nicht impft und dessen Welpe an Parvovirose stirbt, schreibt darüber selten im Forum. Parvovirose ist in Deutschland nicht verschwunden, sie ist selten geworden, weil geimpft wird.
Titerbestimmung statt Impfung?
Eine Titerbestimmung misst die vorhandenen Antikörper im Blut. Bei Staupe und Parvovirose ist sie aussagekräftig und kann eine sinnvolle Alternative zur routinemäßigen Auffrischung sein, wenn du sichergehen willst, dass wirklich nachgeimpft werden muss. Bei der Leptospirose funktioniert das nicht: Hier gibt der Titer den tatsächlichen Schutz nicht zuverlässig wieder. Und rechtlich zählt bei Tollwut ausschließlich der Impfeintrag, kein Titer. Kostenmäßig liegt eine Titerbestimmung außerdem meist über der Impfung selbst. Sinnvoll ist sie vor allem bei Hunden mit dokumentierter Impfreaktion in der Vorgeschichte.
„Kann ich meinen Hund selbst impfen?"
Nein. Impfstoffe für Hunde sind in Deutschland verschreibungspflichtig und dürfen nur von Tierärztinnen und Tierärzten verabreicht werden. Dazu kommt: Eine Impfung ohne tierärztliche Untersuchung vorher ist auch fachlich keine gute Idee. Ein Hund, der gerade Fieber hat oder mit einer unerkannten Erkrankung kämpft, wird nicht geimpft. Und ohne gültigen Eintrag im Impfpass ist der Schutz rechtlich wertlos, etwa bei einer Reise.
Alte Hunde impfen: ja oder nein?
Ja, auch alte Hunde werden weiter geimpft, allerdings mit noch etwas mehr Augenmaß als junge. Das Immunsystem lässt im Alter nach, und die Erkrankungen verlaufen bei Senioren nicht milder als bei jungen Hunden. Die verbreitete Vorstellung, ein alter Hund brauche keinen Schutz mehr, hält der Sache nicht stand.
Was sich ändert, ist die Abwägung im Einzelfall. Bei einem sehr alten, chronisch kranken Hund kann es sinnvoll sein, auf Non-Core-Komponenten zu verzichten, den Impfzeitpunkt an die Verfassung anzupassen oder bei Staupe und Parvovirose über einen Titer zu gehen. Was in jedem Fall zum Impftermin dazugehört, ist die gründliche Untersuchung: Ein Hund, dem es an diesem Tag nicht gut geht, wird nicht geimpft, sondern zuerst untersucht.
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FAQ
Muss man einen Hund in Deutschland impfen lassen?
Nein, in Deutschland besteht keine allgemeine Impfpflicht für Hunde. Für bestimmte Situationen gelten aber verbindliche Vorgaben: Für Auslandsreisen ist eine gültige Tollwutimpfung zusammen mit Mikrochip und EU-Heimtierausweis Pflicht, und Ausstellungen, Hundepensionen und Hundeschulen verlangen in der Regel einen aktuellen Impfnachweis.
Welche Impfungen braucht ein Hund wirklich?
Die StIKo Vet nennt drei Core-Impfungen, deren Schutz jeder Hund zu jeder Zeit haben sollte: Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Tollwut und Hepatitis contagiosa canis gelten in Deutschland inzwischen als Non-Core, weil beide Erkrankungen hier praktisch getilgt sind. Alle weiteren Impfungen werden je nach Lebensumständen individuell entschieden.
Wie oft muss ein Hund geimpft werden?
Nach der Grundimmunisierung werden Staupe und Parvovirose im Abstand von drei Jahren wiederholt, Leptospirose dagegen jährlich. Die Tollwutimpfung richtet sich nach der Zulassung des verwendeten Impfstoffs und dem Eintrag im EU-Heimtierausweis. Ein jährlicher Termin bleibt trotzdem sinnvoll, weil dabei die gesamte Gesundheitsvorsorge stattfindet.
Wann werden Welpen geimpft?
Das empfohlene Schema sieht Termine in der 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie mit 15 Lebensmonaten vor. In der 8. und 12. Woche werden Parvovirose, Staupe und Leptospirose geimpft, in der 16. Woche Parvovirose und Staupe, mit 15 Monaten wieder alle drei. Der letzte Termin gehört zur Grundimmunisierung dazu und darf nicht ausgelassen werden.
Wie häufig sind Nebenwirkungen nach einer Impfung?
Selten. In einer Auswertung von über 16 Millionen Impfterminen bei Hunden wurden innerhalb von drei Tagen 19,4 unerwünschte Ereignisse pro 10.000 Termine erfasst, also 0,19 %. Erhöhte Raten fanden sich bei Französischen Bulldoggen und Dackeln, bei Hunden bis 5 kg, bei jungen Hunden zwischen 2 und 9 Monaten und mit steigender Zahl der an einem Termin verabreichten Impfstoffe.
Ist die Leptospirose-Impfung sinnvoll?
Ja, sie gehört zu den drei Core-Impfungen. Leptospiren werden über den Urin von Nagetieren ausgeschieden und überleben in Pfützen und stehenden Gewässern, praktisch jeder Hund kommt damit in Kontakt. Die Erkrankung schädigt Nieren und Leber und ist zudem auf den Menschen übertragbar. Sie ist die einzige Core-Komponente, die jährlich aufgefrischt werden muss.
Kann ich statt zu impfen einen Titer bestimmen lassen?
Bei Staupe und Parvovirose ist eine Titerbestimmung aussagekräftig und kann eine Alternative zur Routineauffrischung sein. Bei der Leptospirose gibt der Titer den tatsächlichen Schutz nicht zuverlässig wieder, und bei Tollwut zählt rechtlich ausschließlich der Impfeintrag. Kostenmäßig liegt ein Titer meist über der Impfung. Sinnvoll ist er vor allem bei Hunden mit dokumentierter Impfreaktion.
Unser Fazit
- In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Die Entscheidung liegt bei dir.
- Die drei Core-Impfungen sind Staupe, Parvovirose und Leptospirose. Diesen Schutz sollte jeder Hund haben.
- Staupe und Parvovirose werden alle drei Jahre aufgefrischt, Leptospirose jährlich. Nicht jedes Jahr alles.
- Das Welpenschema läuft in der 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie mit 15 Monaten. Der letzte Termin gehört dazu.
- Tollwut und HCC gelten in Deutschland als Non-Core, für Auslandsreisen ist Tollwut aber Pflicht, mit 21 Tagen Vorlauf.
- Impfreaktionen sind selten: 19,4 pro 10.000 Termine innerhalb von drei Tagen.
- Französische Bulldoggen, Dackel und Hunde unter 5 kg haben ein erhöhtes Risiko. Für sie lohnt es sich, Impfungen auf mehrere Termine zu verteilen.
- Ein Titer ist bei Staupe und Parvovirose eine echte Option, bei Leptospirose und Tollwut nicht.
- Und der wichtigste Satz für den nächsten Termin: Frag nach, welche Komponente dieses Jahr fällig ist und welche nicht. 🐾
Quellen
- Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, Stand 6. Januar 2025, bereitgestellt vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Belegt: Core-Komponenten Parvovirose, Staupe und Leptospirose, Grundimmunisierungsschema in der 8., 12. und 16. Lebenswoche sowie mit 15 Lebensmonaten, Wiederholungsimpfung für Parvovirose und Staupe im Abstand von 3 Jahren und jährlich für Leptospirose, Einstufung von Tollwut und caninen Adenoviren als Non-Core sowie der Hinweis auf die behördlichen Maßnahmen nach der nationalen Tollwutverordnung.
- George E. Moore, JoAnn Morrison, Emi K. Saito, Nathaniel Spofford, Mike Yang: Breed, smaller weight, and multiple injections are associated with increased adverse event reports within three days following canine vaccine administration. Journal of the American Veterinary Medical Association 261(11), 2023. Belegt: 31.197 unerwünschte Ereignisse aus 16.087.455 Impfterminen, entsprechend 19,4 pro 10.000 Termine oder 0,19 %, sowie die Risikofaktoren Rasse (Französische Bulldogge und Dackel mit mehr als vierfach erhöhtem Risiko), Körpergewicht bis 5 kg, Alter zwischen 2 und 9 Monaten und Anzahl der an einem Termin verabreichten Impfstoffe.
Über die Autorin
Helena Bröring-Veith - Med. Vet. ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und mehrere Jahre in einer Kleintierklinik praktiziert. Bei HEY HOLY verantwortet sie als fachliche Reviewerin die Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Mehr über das Team und unsere wissenschaftliche Arbeit findest du auf der Seite Über uns.
